Samstag, 1. März 2008

Camping in Khartoum, Sudan

Salam Aleikum !

Ich bin mittlerweile in Khartoum, Sudan angekommen und gruesse euch deshalb auf Arabisch. Hier ist alles ein wenig anders, eben arabisch. Alle Programme und Internetseiten sind auf arabisch. Ich rate mich also vor- und rueckwaerts durch die Menus. Wenn ich eine Internetadresse eingebe, erscheint der Text von rechts nach links wie im Arabischen. Es hat mich ca 1 Stunde gekostet, um dieses Internetcafe zu finden. Denn alles ist hier auf Arabisch angeschrieben und offenbar spricht niemand Englisch. Der Raum, in dem ich sitze, ist in einer Art Abbruchbude mit extrem niedriger Decke. Der Eingang war richtig versteckt und ich musste durch einige lange, stinkende Gaenge gehen, bis ich endlich hier gelandet bin. Alle Computer sind von jungen Arabern besetzt. Einige von ihnen schauen sich westliche Filme an. Ich frage mich, ob die Sudanesische Regierung diesen Laden genehmigen wuerde.

Lange ist es her, dass ich einen Blog veroeffentlicht habe. Das hat seinen Grund. Ein regierungskritischer Blog auf Blogger resp. Blogspot fuehrte dazu, dass die Seite in Aethiopien geblockt wird. Ich hatte also keinen Zugang zu meinem Blog, so lange ich in Aethiopien war. Positive ueberrascht bin ich nun, dass diese Seite im Sudan funktioniert.

Was ist geschehen seit Dar es Salam, Tanzania?

Abreise aus Tanzania - Bush kam und ich ging.
An dem Tag, an dem Bush in Dar es Salam landete, habe ich das Flugzeug nach Addis Ababa bestiegen. Ich habe mich in Dar es Salam nie richtig wohl gefuehlt. Das Wetter war extrem schwuehl und heiss, das Leben relativ teuer. Es gab nicht wirklich interessante Sehenswuerdigkeiten und ich wusste sehr bald nicht mehr, was ich tun soll. Zanzibar hat sich aus den frueher genannten Gruenden irgendwie nicht richtig angefuehlt. Mein Lieblingsstrand in Nungwi Beach wird zudem gerade von einer Baulawine erfasst. Jetzt bauen sie dort 3-stoeckige Hotels, wo vor drei Jahren nur einfache Huetten und Bungalows standen. Wieso passiert das immer dort, wo es besonders schoen ist? Danach ist es naemlich nie mehr das Gleiche. Aber das Geld lockt halt ueberall. Hinzu kam, dass ich keine wirklich coolen Leute kennen gelernt hatte, sonst haette vielleicht alles ganz anders ausgesehen. Als ich dann noch erfahren habe, dass Bush in die Stadt kommt, hielt mich nichts mehr. Ueberall hingen riesige Plakate 'Your excellency George W. Bush - Welcome in Tanzania' oder 'Welcome home George W. Bush' oder 'Thanks for your support with HIV/Aids'. Schwer zu glauben, dass Bush bei der stark muslimisch gepraegten Bevoelkerung wirklich beliebt ist. So habe ich praktisch zur gleichen Zeit Tanzania verlassen wie George angekommen ist. Auf dem Weg an den Flughafen war es fast so, als staenden die vielen Leute fuer mich am Strassenrand.

Ankunft in Addis Ababa
Nach drei Stunden Flug kam ich in Addis an. Der Flughafen war ueberraschend modern und sauber. Allerdings war es hier deutlich kaelter als in Tanzania. Das hat damit zu tun, dass Addis auf 2300 Metern u.M. liegt und damit die dritthoechste Hauptstadt der Welt ist. Die meistgesprochene Sprache ist Amharic und ist (so vermute ich) mit dem Arabischen verwannt. Die Zeichen kamen mir auf jeden Fall arabisch vor. Viele Leute sprachen kein Wort Englisch, was das Reisen schwierig machte. Aethiopien ist eines der letzten Laender, die immer noch den Julianischen Kalender haben. Das hat zur Folge, dass die Aethiopier erst das Jahr 2000 schreiben. Das Jahr hat 12 Monate a (finde den bloeden Accent nicht) 30 Tage und einen 13. Monat mit 5 oder 6 Tagen. Auch die Uhrzeit wird anders angezeigt. Ein Tag besteht aus 12 Stunden, somit ist die lokale Uhrzeit unserer Uhrzeit immer 6 Stunden voraus. Der Tag beginnt, wenn die Sonne aufgeht - um 6 Uhr - und endet, wenn die Sonne untergeht - um 18.00 Uhr. Bloed, wenn man das nicht rafft und vergebens an der Bushaltestelle wartet – der Bus ist dann wahrscheinlich schon vor 6 Stunden abgefahren. Die Waehrung heisst Birr (ca. 9 Birr = 1 USD). Nach meiner Ankunft dachte ich zuerst 'Seltsam, der Taxifahrer will also tatsaechlich, dass ich in ‘beer’ bezahle!'. Addis Ababa ist eine Metropole ohne klare Struktur und scheinbar ohne Grenzen (260 q/km). Zudem verfuegt sie ueber ein noch nie gesehenes, dichtes Netz an Strassen und Gassen, die auf keiner Karte eingezeichnet werden koennen. Die Strassen sind staubig, laut und chaotisch. Die Luft hat eine wirklich erbaermliche Qualitaet, was aber niemanden ausser mir zu kuemmern schien. Die Orientierung war schwierig und ohne Taxis ging gar nichts. Es gab zwar Minibusse, aber es dauerte eine Weile, bis man den richtigen Bus gefunden hatte (da eben niemand Englisch versteht). Meistens kannten die Locals nicht einmal den englischen Namen ihrer wichtigsten Sehenswuerdigkeiten. Abgesehen von der staendigen Belaestigung durch Bettler, fuehlte ich mich ziemlich wohl in Addis. Die Aethiopier sind friedliche und lebensfrohe Menschen, obwohl das Leben hier alles andere als einfach ist. Mit 500 Birr (rund 55 Dollar) pro Monat muessen sich Menschen hier durchschlagen. Fuer Touristen ist das Leben allerdings ziemlich guenstig – 6 Birr fuer ein Bier, 4 Birr fuer einen Kaffe mit Kuchen, 1,5 Birr fuer Macchiato. Den Faranjes (Auslaendern) knuepft man immer etwas mehr ab. Zum Teil ist der Zuschlag laecherlich hoch, so dass man immer und ueberall verhandeln muss. Gewisse Restaurants fuehrten auf der Speisekarte offiziell zwei verschiedene Preise fuer Essen und Trinken - fuer Locals einen Preis und fuer Faranjes einen deutich hoeheren. Es hatte fast keine Touristen in Addis (auf jeden Fall habe ich keine gesehen), so dass man als Weisser permanent angestarrt wurde. Daran hatte ich mich aber relativ schnell gewoehnt. Daran, dass man staendig irgendwie uebers Ohr gehauen wird dagegen weniger. Wenn ich dann mal zurueck starrte, laechelten die Aethipier nur schuechtern und gingen weiter.

Wenn ich irgendwo lief, ging es meist nicht lange, bis mir ein unfreiwilliger Guide folgte und sich nicht mehr abschuetteln liess. In drei Tagen hatte ich drei verschiedene dieser selbst-ernannten Fremdenfuehrer. Sie waren immer ganz nett und zeigten mir Orte, die ich alleine kaum gefunden haette. Nur einer hat nach Geld gefragt (fuer Haemoroiden-Tabletten), die anderen waren entweder zu scheu oder wollten ihr Englisch ueben. Die Aethiopier sind extrem religioese Menschen. Spontane Gebete (mit Verneigung und zehnfacher Bekreuzigung) auf der Strasse waren keine Seltenheit. In der Oeffentlichkeit darf nicht gekuesst werden und im Hotel werden nicht zwei Gaeste des gleichen Geschlechts in einem Raum geduldet. Ich besuchte sogar einen Gottesdienst. Danach verstand ich etwas besser, warum die Kirchen hier so voll sind. Der Gottesdienst ist ein einziges Fest mit Tanz und fetziger Musik. Alle wippen irgendwie und singen mit. Frauen schienen selbstbewusster als anderswo und gleich berechtigt. Das hat auch Schattenseiten. So habe ich mehr Frauen als Maenner gesehen, die auf Baustellen schwere Steine schleppten. In den unzaehligen Cafes sieht man dafuer praktisch nur Maenner. Ich habe nie junge Aethiopier flirten sehen und die Maenner konnten an den attraktivsten Frauen vorbei laufen (und davon gibts hier genug), ohne mit dem Wimper zu zucken. Ausserdem sorgen die Aethipier gut fuer ihre Bettler, von denen es jede Menge gibt (Kinder, Verkrueppelte, Blinde, Alte). Immer wieder beobachtete ich, wie Einheimische den Bettlern Geld zusteckten. Als ich Addis mitten in der Nacht verliess, sah ich in den Strassen Hunderte von Bettlern. In manchen Strassen schliefen sie im Abstand von 2 Metern auf dem Trottoir, so viele gab es.

Das Sightseeing habe ich nicht uebertrieben – bin ja kein grosser Fan von Museen. Aber ich bin stundenlang durch die Stadt spaziert und habe mich zwischendurch im Park des luxurioesen Ghion Hotesl ausgeruht. Der Loewenpark - sehr beliebt bei aethiopischen Familien - war ein besonders negatives Erlebnis. Der Loewe ist ja so etwas wie das Wappentier von Aethipien. Umso mehr war ich schockiert, dass die Loewen nur zur Belustigung der Besucher dienen. Die stolzen Tiere sind in klaeglichen Betonloechern eingesperrt. Damit sie auch schoen fauchen, wenn die Besucher fuer Fotos vor den Kaefigen posieren, wird mit Steinen nach ihnen geworfen und sie werden mit allen Mitteln provoziert. Ich wollte nur noch weg.

Das Visum fuer Sudan hat mich lange aufgehalten. Am ersten Tag wollte man mich nicht rein lassen, obwohl ich mich an die Oeffnungszeiten gehalten hatte. Ein Touristenvisum kann Wochen dauern, ohne Garantie, dass man es ueberhaupt erhaellt. Reisende werden ohne Grund abgelehnt (manche Nationalitaeten haeufiger als andere). Deshalb entschied ich mich fuer ein Transit-Visa (gueltig 2 Wochen) zum Preis von 61 US Dollars. Dafuer musste ich allerdings zuerst das Visum fuer Aegypten besorgen. Alles nicht so einfach, da die Oeffnungszeiten immer sehr kurz sind, die Botschaften weit auseinander liegen und mit langen Wartezeiten gerechnet werden muss. Nach langem hin und her habe ich es dann am Donnerstag 21. Februar endlich erhalten, so dass ich am Freitag den Minibus Richtung Bahir Dar nehmen konnte. Nach fast einer Woche in husthust... Addis!

Bahir Dar
Ca. 10 Stunden dauerte die Reise durch atemberaubende Landschaften, imposante Gebirge und ueber staubige Wuestenpisten. Alle der 16 Fahrgaeste ausser mir waren Aethiopier und hatten ihren Spass mit mir, als ich an einem extrem trockenen Wuestenkuchen fast erstickt waere. Bahir Dar liegt am Lake Tana und in der Naehe der Blue Nile Waterfalls und der Nilquelle. Ich habe die meiste Zeit mit drei Paerchen - Schweiz, Australien, England - verbracht, die mit ihren Overland Trucks quer durch Afrika reisen. Zusammen habe wir einige der Kloster auf den Inseln des Lake Tana besucht, die Nilquelle und natuerlich auch die Wasserfaelle. Die einst gewaltigen Faelle sind durch Wasserkraftwerke erheblich geschrumpft. Der Weg zu den Faellen war eigentlich das bessere Erlebnis - inmitten von Dorfvolk, umgeben von Ziegen, Kuehen, Eseln und eifrigen Kindern, stapften wir den schmalen Pfad hinauf. Von Bahir Dar ging es weiter Richtung Norden - nach Gondar.

Gondar - Khartoum
Das australischen Paerchen Paul und Jacenda nahmen mich mit ihrem Land Rover mit nach Gondar. Nicht nur deshalb mochte ich sie extrem gut. Wir sollten noch eine Menge Spass zusammen haben. Nach drei Stunden kamen wir in diesem beschaulichen Staedtchen an, das fuer seine stolze Festungsanlage aus dem 16./17. Jahrhundert beruehmt ist. Die Schweizer und Englaender zogen weiter in die Simien Mountains am naechsten Tag. Ich blieb mit den Australiern zurueck, da ihre kaputten Stossdaempfer den Trip nicht mitgemacht haetten. Wir mussten bis Donnerstag 28. Februar warten mit der Weiterreise, weil die Australier ihr Transit Visum (2 Wochen) voll ausschoepfen wollten. Die Faehre nach Aegypten faehrt naemlich nur am Mittwoch. Wir besichtigten die Burgen und Kirchen, meistens chillten wir aber einfach in einem der gemuetlichen Cafes. Und dann besichtigten wir noch die lokale Dashen Brauerei. Die Leute und das Klima waren in Gondar angenehm und die Pizza war ueberdurchschnittlich gut. Ueberhaupt bekommt man in Aethiopien in vielen Restaurants Pizza und Pasta, was der italienischen Kolonialvergangenheit zu verdanken ist. Die Strasse an die Grenze سسسانتاتناىةى.. oops jetzt habe ich versehentlich auf Arabisch gewechselt - ist in erbaermlichem Zustand - waehrend Stunden umgab uns Staub wie ein dichter Nebel. Paul und Jacenda nahmen mich bis ueber die Grenze mit, wo wir eine Nacht im Busch uebernachteten. Am naechsten Tag bewaeltigten wir noch das letzte Stueck nach Khartoum, wo wir nun im Blue Nile Sailing Club campen.

Ich habe ein kleines Zelt direkt mit Blick auf den Nil. Ab und zu wuenscht man sich zwar ein kaltes Bier herbei, aber im Grossen und Ganzen kann ich mich wirklich nicht beklagen. Heute mussten wir uns noch bei der Security Police registriegen, was nochmal gut 40 Dollar gekostet hat. Khartoum ist eine verhaeltnismaessig moderne Stadt mit guten Strassen. Die Leute sind eigentlich ganz freundlich, im Gegensatz zu den Aethiopiern aber eher uninteressiert. Am Montag werde ich den Zug nach Wadi Halfa nehmen - Dauer ca. 35 Stunden. Von Wadi Halfa werde ich am Mittwochabend die Faehre nach Aswan (Aegypten) besteigen. Die Fahrt ueber den Lake Nasser dauert rund 16 Stunden und soll sehr eindruecklich sein. In Aegypten angekommen, werde ich wohl mehr oder weniger direkt nach Kairo weiter reisen. Ein Zwischenstopp in Luxor, waere ev. lohnenswert. Eigentlich wollte ich von Kairo nach Israel einreisen, denn von Haifa gibt es eine Cargo Faehre nach Italien. Aber wahrscheinlich ist der Aufwand zu gross, so dass ich einen Flug nach Hause je laenger je mehr in Erwaegung ziehe.

Meine Freunde, unser Wiedersehen steht unmittelbar bevor. Ich naehere mich der Schweiz in grossen Schritten. Ich freue mich...

Ps. Der Araber neben mir schaut gerade Pornobildlis an. Aha, Mann ist halt Mann!

Liabi Grueass

Muhammad Al

Donnerstag, 14. Februar 2008

Tazara Train von Kapiri Mposhi nach Dar es Salam

Nach einer Nacht im Chachacha Backpackers in Lusaka, machte ich mich also auf den Weg nach Kapiri Mposhi. Der einzige Daseinsgrund fuer dieses Kaff ist wohl die Eisenbahnlinie nach Tanzania, die da ihren Anfang hat. Der Bus hatte eine Stunde Verspaetung. Diese Zeit wurde von einem leidenschaftlichen Priester genutzt, um seine Botschaft unter die Leute zu bringen. Damit auch ja jeder zuhoert und um die schreienden Babys zu ubertoenen, schrie er was die Stimme hergab und marschierte wild gestikulierend durch die Sitzreihen. Ausser AMEN habe ich leider nichts verstanden. Nach 2 Stunden kam ich in Kapiri an. Die Unterkunft hatte zwar kein fliessendes Wasser, war sonst aber ganz ok. Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und die rohen (ungeroesteten) Erdnuesschen hatten auch nicht wirklich geschmeckt. Voellig ausgehungert bestellte ich deshalb in der Unterkunt ein Abendessen. ’No electricity’ wurde mir mitgeteilt, ich muesse noch warten. Ich ging also etwas doesen und als ich um ca. 21 uhr erwachte, war es stockfinster. Die Elektrizitaet war immer noch nicht zurueckgekehrt. Ich wartete noch eine Stunde und knabberte doch noch ein paar der bitteren Nuesschen. Da es finster blieb, entschied ich mich fuer die energiesparende Taetigkeit des Schlafens.

Am naechsten Tag um 16.00 Uhr verliess ich Kapiri mit dem Tazara Train in Richtung Tanzania. Es sollte rund 48 Stunden dauern, bis wir in Dar es Salam eintreffen wuerden. Der Zug war eigentlich gar nicht so alt wie er aussah – ca. 35 Jahre sagte man mir. Ratternd, quietschend und widerspenstig wie ein Rodeostier bahnte sich der Zug seinen Weg durch den menschenleeren Dschungel von Zambia und das huegelige Hinterland von Tanzania - vorbei an Bananenplantagen, Reisfeldern, dickstem Dickicht, endlosen Weiten und froehlichen Menschen. Ich war ganz relaxed, auch wenn zahllose Wracks von Bahnwagons entlang der Strecke von fatalen Unfaellen zeugen. Vorweg, es ging alles gut. Ich sass die meiste Zeit gedankenversunken in der 1. Klasse-Lounge und sog die Landschaften foermlich in mich auf. Die Kabine teilte ich mit zwei lustigen Zambiern – der eine sah ein bischen aus wie Idi Amin (in seiner netten Phase) und oeffnete die unzaehligen Bier, der er trank, immer mit den Zaehnen. Der andere war zwar verheiratet, konnte es aber nicht lassen, jedem noch so fetten Arsch hinter her zu pfeifen. Die Zugfahrt war ein einmaliges Erlebnis und war 100 Prozent die richtige Entscheidung. So konnte ich eine Seite von Afrika sehen, die sonst Touristen meist verborgen bleibt.

Nach drei Tagen ohne Dusche war ich dann aber doch froh, als wir in Dar angekommen waren. Meine Freude hielt allerdings nicht lange. Ich ging Geld abheben und ein Typ namens Lincoln erschlich sich mein Vertrauen. Er wollte mir einen Club zeigen, in dem er regelmaessig Musik macht. Wir assen eine zambische Spezialitaet (ekliges Ziegenfleisch) und nach dem Essen bot er mir an, mich zu meinem Guesthouse zu fahren. Er muesse sowieso in diese Richtung, da er seine Instrumente fuer den Abend abhole. Ein Taxi wartete und ich stieg auf die Rueckbank. Lincoln setzte sich auf die eine Seite von mir und sein kleinwuechsiger Freund auf die andere. Wir waren kaum losgefahren, als er mich aufklaerte, dass sie keineswegs Musiker seien, sondern boese Menschen und sie wuerden mich jetzt ausrauben. Ich solle ihnen all mein Geld geben, sonst wuerde was ganz Schlimmes passieren. Ich gab ihnen also das Geld aus meinem Portemonnaie und kletterte schleunigst durch das Beifahrerfenster. Zum Glueck hatte ich einen groesseren Betrag zuvor in meinen Wertsachenguertel gesteckt. Dennoch war ich danach ziemlich durch den Wind. Das soll mir eine Lehre sein. So schnell traue ich keinem mehr.

Im Moment mache ich mir auch viele Gedanken, wie es weiter gehen soll. Das hat aber nichts mit dem Ueberfall zu tun. Ich ueberlege mir einfach, ob ich solange noch durchhalte. Im Moment habe ich auf jeden Fall entschieden, dass ich zuerst ein paar Tage auf Zanzibar chillen werde. Danach gibts mehrere Optionen: Sicher will ich nicht durch Kenia reisen. Das ist im Moment einfach kein Spass. Ich koennte einen Flug nach Addis Ababa nehmen, muesste mich aber immer noch durch schwierige Gebiete in Aethopien und Sudan kaempfen. Und das Problem mit dem Visum fuer Sudan habe ich auch noch nicht geloest. Ich werde mir das nochmal gruendlich ueberlegen. Irgendwie habe ich eben auch tierische Sehnsucht nach EUCH !!!

Ihr hoert von mir! Passt auf euch auf.

al

Sonntag, 10. Februar 2008

Zambia: Das wahre Abenteuer geht los!

Den folgenden Eintrag wollte ich schon in Vic Falls schreiben, dann ist aber ploetzlich das Internet ausgefallen. In Simbabwe funktioniert so ziemlich gar nicht mehr, es mangelt an allem und das Land scheint so langsam zu verfallen.


Hier also der Eintrag von gestern, der dank automatischer Zwischenspeicherung gerettet wurde:

bin nun schon drei tage in vic falls. heute morgen frueh ist der truck mit einem teil der gruppe in richtung joburg aufgebrochen. neben mir sind noch 9 koreaner in vic falls geblieben. ich wollte noch einen tag anhaengen, damit ich gestern mit der gruppe feiern konnte und heute noch ein paar dinge erledigen kann, wie eben der besuch im internet-cafe. die tour ist also zu ende und ich muss mich nun alleine um alles kuemmern. der erste schritt ist geplant und wird morgen umgesetzt. ich werde am morgen um 6 uhr von der lodge ca. 5 km ueber die grenze nach zambia marschieren. von der grenze nehme ich ein sammeltaxi nach livingstone und von da einen bus nach lusaka, wo ich ca. um 15.00 uhr eintreffen sollte. gleich am naechsten tag will ich dann weiter nach kapiri mposhi, denn am dienstag will ich von da den zug nach dar es salam erwischen.

der rest der gebuchten overland-tour hat mir extrem gefallen. insebsondere das bushcamp im okowango delta fuer drei tage war sehr eindruecklich. ueppige gruene flaechen, die von unzaehligen wasserkanaelen durchzogen sind; gras so hoch wie ich selbst und eine unglaubliche vielfalt an tieren. von den tieren haben wir allerdings nicht viel mehr als massenweise dung (scheisse) und immer wieder fussabdruecke gesehen. im delta bewegt man sich mit einem sog. makoro fort - das ist ein ausgehoelter baumstamm, den der poler mit einem langen ast forwaerts bewegt. wir konnten einfach drin liegen und die umgebung geniessen und dabei himmlisch relaxen…ansonsten haben wir uns den ganzen tag mit doesen, baden (trotz nilpferden, krokodilen und 10 meter langen phytons, die es im delta gibt) und lustigen spielen vertrieben. es war cool, wieder einmal zeit zum vertroedeln zu haben und einfach an nichts denken zu muessen. es war, als waere man nochmal kind.

botswana ist bilderbuch-afrika - es wimmelt nur so von elefanten und sonstigen wildtieren direkt am strassenrand, ohne dass man einen nationalpark betreten muss. zudem ist botswana fuer mich das land der esel. noch nie habe ich so viele esel gesehen wie dort. und natuerlich sind die esel extrem stoerrisch, so dass unser truck des oefteren eine vollbremsung machen musste, damit er nicht mit einem esel kollidiert.

dann haben wir die grenze zu simbabwe ueberquert. die situation in sim ist eher absurd und traurig. man laeuft hier mit ganzen einkaustueten voll geld durch die gegend, da der sim dollar praktisch nichts mehr wert ist. die hoechste note ist mittlerweile 10 millionen, was ungefaehr 2 dollar entspricht. auf jeder note ist zudem ein expiry date aufgedruckt – im moment der 30. juni 2008. der offizielle kurs in banken und hotels ist ein witz und niemand wechselt dort. 30'000 sim dollar fuer einen dollar bekommt man offiziell. da sich die preise nach dem schwarzmarktkurs richten, wuerde man mit dem offiziellen kurz ca. 250 us dollar fuer ein bier bezahlen!!! auf dem markt kann man seine alten kleider, halbleere sonnencreme, kaputte sandalen - sprich alles, was man nicht mehr braucht - gegen teils sehr schoene souvenirs eintauschen. die supermaerkte sind naemlich halbleer, fuer die einheimischen viel zu teuer und haben nur eine extrem beschraenkte auswahl. es wird angeboten, was gerade erhaeltlich ist. so sieht man im einen gang die gleiche sorte staubtrockene cookies, im naechsten die gleiche sorte fruehstuecksflocken und im dritten zum beispiel voellig ueberteuerter wein aus simbabwe. es ist wirklich ein raetsel wie man hier ueberleben kann.

die einheimischen lebenskuenstler scheinen zwar nicht wirklich verzweifelt und geben die hoffnung auf eine bessere zukunft nicht auf. vielleicht aendert sich ja im maerz etwas, wenn die naechsten wahlen anstehen. da die bisherige wahlen meistens manipuliert waren, ist die hoffnung allerdings eher gering.

Diese Zeilen schreibe ich euch aus Lusaka - der Hauptstadt von Zambia.